Radikale Details

In Bruegels Werken gibt es viele Details zu entdecken. Oft vermittelt uns der Künstler damit radikale Botschaften. Manchmal sind es grausame Details, so wie in dieser wohl düstersten Komposition Bruegels: „Der Triumph des Todes“.

Es schlägt die Stunde des Todes

Gerippe übernehmen die Herrschaft und versetzen uns in staunendes Entsetzen. Bei diesem Anblick wird nachvollziehbar, warum Bruegel oft stilistisch mit Hieronymus Bosch (um 1450 – 1516 ´s-Hertogenbosch) verglichen wird.

Die apokalyptische Weltlandschaft mit brennenden Städten, sinkenden Schiffen und der kahlen Ödnis erinnert auch an Joachim Patinier (um 1485 Dinant an der Maas (?) – 1524 Antwerpen).

In der unteren Bildhälfte inszeniert Bruegel eine unausweichliche Massenbewegung, die von links nach rechts verläuft. Unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und Rang ist absolut jeder vom Ablauf der Lebenszeit betroffen. Die Massenbewegung endet in einer „Todesfalle“: In Scharen werden die Menschen dort hineingetrieben. Die Klapptüre ist auf der Innenseite mit einem großen roten Kreuz bezeichnet. Unzählige Gerippe sind in militärischer Formation seitlich der Schlundöffnung aufgestellt. Sargdeckel dienen ihnen als Schilde.

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Pieter Bruegel d. Ä.
Der Triumph des Todes
Vermutlich nach 1562 // Holz, 117 × 162 cm // Madrid, Museo Nacional del Prado, Inv.­-Nr. P01393

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Die Zeit ist abgelaufen

Im linken Bildvordergrund hält ein Gerippe dem Herrscher signalhaft eine verronnene Sanduhr vor Augen.

Wem die Stunde schlägt

An der Außenwand des sakralen Gebäudes im linken Bildmittelgrund streckt ein Skelett seinen Oberkörper anstelle eines Uhrwerks durch das Gemäuer und weist grinsend auf die Ziffer „I“

Der letzte Glockenschlag

Auf dem grün bewachsenen Dach werden von Skeletten zwei große Glocken geläutet, die an einem toten Baum befestigt sind. Überbleibsel eines ruinenhaften Kirchturms?

Fanfare des Todes

Anstelle einer Engelsschar bläst eine triumphierende, in weiße Gewänder drapierte Gerippe-Schar die Posaunen. Wahrscheinlich wollen sie die Toten aus ihrem Schlaf erwecken.

In Hinblick auf die Wiener Ausstellung wurde „Der Triumph des Todes“ jüngst im Prado restauriert. Erstmalig wird er nun gemeinsam mit der „Dulle Griet“, die gerade im KIK irpa in Brüssel restauriert wurde, ausgestellt. Dies verspricht einen weiteren Schritt in der Erforschung der vermeintlichen Zusammengehörigkeit beider Gemälde.

Dulle Griet2

„Dulle Griet“ oder deutsch „Tolle Grete“

Auch dieses Gemälde ist bei genauerem Betrachten nichts für schwache Nerven. Die vielen Details erinnern an Hieronymus Bosch (um 1450 – 1516) und sind mitunter recht makaber. Aber Bruegels Sinn für Humor und Witz ist einmal mehr allgegenwärtig. So trägt die „Dulle Griet“ eine Rüstung und hält ein Schwert in der Hand. Von ihrem Rock baumelt ein Dolch herab. Als ultimative Waffe im Fall der Fälle hat sie aber auch eine Pfanne bei sich.

Ob Pieter Bruegel d. Ä. selbst das Thema wählte oder ob es ein Auftragswerk war, wissen wir nicht. Wir können aber sicher annehmen, dass Bruegel die hierarchischen Beziehungen zwischen Männern und Frauen in dieser Darstellung lächerlich machte.

Er kehrte die Rollen, die den Geschlechtern traditionell in den Niederlanden des 16. Jahrhunderts zugewiesen wurden, um. Und das tat er nicht nur in diesem Gemälde. Bruegel schuf zahllose Illustrationen von durchtriebenen Frauen, die buchstäblich und im übertragenen Sinn die Hosen anhatten.

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Pieter Bruegel d. Ä.
Dulle Griet
1563 // Signiert unten links: „BRV[E]GEL MDLXi[ii]“ // Holz, 117,4 × 162 cm // Antwerpen, Museum Mayer van den Bergh, Inv.-Nr. 788

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