Fasching gegen Fasten

Bruegel nahm sich kein Blatt vor den Mund. Ein gutes Beispiel hierfür ist der „Kampf zwischen Fasching und Fasten“.

Kampf zwischen Fasching und Fasten1

Bruegel als Gesellschaftskritiker

Pieter Bruegel d. Ä. war ein scharfsinniger Beobachter und Gesellschaftskritiker. Aufgrund seines Könnens war er hochgeschätzt. Und das, obwohl er seinen Zeitgenossen einen Spiegel vorhielt.

Bruegel nahm sich kein Blatt vor den Mund. Ein gutes Beispiel hierfür ist das früheste der Tafelbilder in der Sammlung des Kunsthistorischen Museums: „Kampf zwischen Fasching und Fasten1, aus dem Jahr 1559.

Das Gemälde ist eines der „Wimmelbilder“ Bruegels. Auf dem großformatigen Bild wimmelt es von Figuren, und zwar in einer sogenannten „Aufsicht“. Durch diese spezielle Perspektive sehen wir viele Aktivitäten, die gleichzeitig auf dem Hauptplatz einer kleinen Stadt passieren.

Bis ins kleinste Detail schildert Bruegel die flämischen Brauchtümer der Karneval- und Fastenzeit. In der Ausstellung wird eine Auswahl an Gegenständen, die denen im Bild entsprechen auch tatsächlich präsentiert. Dabei unterstützten uns KollegInnen aus dem Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam und aus dem Freilichtmuseum von Bokrijk, Genk. Sie identifizierten passende Gegenstände in belgischen und niederländischen Sammlungen.

So konnten wir Leihgaben aus dem Museum Boijmans v. B. in die Ausstellung mit einbeziehen, die gemeinsam mit Bruegels „Kampf zwischen Fasching und Fasten“ zu sehen sind.

Alles spielt sich zwischen Schenke und Kirche ab. Links die Schenke und die Personifikation des Karnevals in Form eines feisten Betrunkenen. Rechts die Kirche und Frau Fasten ganz in Grau.

Die beiden Figuren sind mit Waffen ausgestattet und im Begriff, sich im Turnier zu bekämpfen. Ganz ernst kann man dieses Turnier natürlich nicht nehmen. Die Waffe des Karnevals ist ein Bratenspieß, gespickt mit allerlei Fleisch. Frau Fasten greift mit einer mit Heringen beladenen Brotschaufel an.

Auf beiden Seiten der Komposition und in allen Teilen der Gesellschaft wird Theater gespielt: die geldgierigen (Schein-)Krüppel und die scheinheiligen Reichen, die den Glauben auf Bräuche wie die Fastenzeit und das öffentlich zur Schau gestellte Almosen reduzieren – sie alle wetteifern um den eigenen Vorteil.

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Pieter Bruegel d. Ä.
Kampf zwischen Fasching und Fasten
1559 // Signiert und datiert im rechten unteren Eck: „BRVEGEL 1559“ // Eichenholz, 118 × 164,2 cm // Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 1016

Aber auch abseits der beiden Protagonisten tut sich viel in diesem „Wimmelbild“, sogar unterhalb der heute zu sehenden Malschichten. Durch moderne Techniken können wir durch verschiedene Bildschichten und bis zur Unterzeichnung durchsehen.

Die Infrarotreflektogramm-Technik ist in diesem Fall besonders spannend. Denn einerseits zeigen die Infrarotbilder, dass Bruegel die Figuren bereits bis ins kleinste Detail vorgezeichnet hatte, andererseits aber auch, dass einige Teile des Bildes übermalt wurden.

Die Szenen waren den Besitzern wohl zu makaber.

Aufmerksam wurde man auf die Übermalungen durch die vielen Kopien, die es von dem Gemälde gibt. Auf diesen waren Figuren zu sehen, die im Original später übermalt wurden.

All diese übermalten Figuren untermauern eine zentrale Aussage Bruegels: Gebrechen, Leiden und Tote werden eingesetzt, um daraus Kapital zu schlagen.

Ein genauer Blick auf die Kirche macht ersichtlich: Die Ärmeren verlassen die Kirche durch das Seitenportal. Die Reicheren gehen durch das Hauptportal, wo die Bettler sie im Konkurrenzstreit untereinander erwarten. (Schein-)Krüppel positionieren sich strategisch.

Eine Pilgerin deutet theatralisch auf einen Krüppel zu ihren Füßen, nimmt Almosen entgegen und wendet sich im selben Moment schon dem nächsten zu.

Vielleicht gehen uns Bruegels Werke auch heute noch „unter die Haut“, weil seine scharfsinnigen gesellschaftskritischen Beobachtungen nach wie vor aktuell sind?

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