Die Jäger im Schnee

Pieter Bruegel d. Ä. setzte in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe. Anhand seines berühmten Werks „Die Jäger im Schnee“ lässt sich dies gut nachvollziehen. Es ist eines der Werke des ursprünglich 6-teiligen „Jahreszeiten“-Zyklus und stellt den Winter dar.

Es ist kaum möglich, alle Bilddetails zu erfassen und zu beschreiben

Bruegel baut die Welt im Bild aus kleinsten Teilen zusammen. Sämtliche Details, die auch im echten Leben gleichzeitig passieren, stellt er minutiös dar. Manche Figuren oder Szenen sind mit freiem Auge kaum wahrzunehmen. Heute helfen uns moderne digitale Möglichkeiten wie die High-Resolution-Fotografie.

Ein Beispiel hierfür ist diese Figur eines Mannes, der mit seiner Flinte gerade Jagd auf Vögel macht.

Bei gutem Licht und entsprechendem Sehvermögen können aufmerksame MuseumsbesucherInnen sogar das Feuer erkennen, das aus seiner Flinte schießt.

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Pieter Bruegel d. Ä.
Die Jäger im Schnee
1565 // Signiert und datiert unten in der Mitte: „BRVEGEL M D […]“ // Eichenholz, 116,3 × 162,5 cm // Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 1838

Aber warum hat Bruegel sich diese Mühe gemacht, für den/die BetrachterIn kaum erfassbare Details darzustellen?

Die Gäste des Geschäftsmanns und Sammlers Nicolaes Jongelinck, die den „Jahreszeiten“-Zyklus im Speisezimmer beim Abendessen und ziemlich sicher bei schwachem Licht sahen, hatten kaum eine Chance, die winzigen Details zu erkennen.

Wollte Bruegel die Welt im Bild von Grund auf erschaffen, indem er sie aus Details zusammenbaute?

Jedenfalls musste er davon ausgehen, dass nicht jeder sie entdecken kann. Aber auch für die kurz verweilenden BetrachterInnen erschuf Bruegel einen unverwechselbaren Eindruck der Jahreszeiten – in diesem Fall des Winters.

Denn die kleinteiligen Details ergeben schon beim ersten Blick ein faszinierendes großes Ganzes.

Und noch heute, 450 Jahre nach Bruegels Tod, entdecken wir seine Welt immer wieder von neuem und sind fasziniert von diesem Detailreichtum.

Landschaftsdarstellung als kosmische Momentaufnahme

Auch für die Landschaftsdarstellung war Bruegels Kunst richtungsweisend. Seine Landschaften sind realistisch und vermitteln die momentane Stimmung auf eine Weise, die zwar an Patinier (um 1485 Dinant an der Maas (?) – 1524 Antwerpen) erinnert, ansonsten aber zu Bruegels Zeit noch kaum umgesetzt worden war.

Innerhalb des „Jahreszeiten“-Zyklus inszeniert Bruegel den Einstieg in die jeweiligen Szenen ähnlich: Von einer leicht erhöhten Position öffnet sich der Blick in weite Überblickslandschaften.

Gleich einem Regisseur mit einzigartigem Gespür für Farbe, Rhythmus und Momentaufnahmen setzt Bruegel den von der Natur vorgegebenen Takt der Jahreszeiten in seinem Bilderzyklus um.

„Die Menschen in Bruegels Bildern scheinen mit der Natur eine Gemeinschaft zu bilden und nicht durch göttliche Bestimmung über ihr zu stehen. Das ist beachtlich für das 16. Jahrhundert.“

Carsten Höller über „Die Jäger im Schnee“

Pieter Bruegel d. Ä. setzte neue Maßstäbe. Er inspirierte seine ZeitgenossInnen und nachkommende KünstlerInnen. Auch heute wird er von KünstlerInnen hochgeschätzt.

So zum Beispiel von Bildhauer Carsten Höller, der kürzlich im Magazin Monopol über Bruegels „Die Jäger im Schnee“ schrieb. Seine Beobachtungen schließt er mit folgenden Worten ab:

„Ich glaube nicht einmal, dass Bruegel ein Landschaftsmaler war. Da gibt es alle möglichen Anspielungen und Allegorien, er war eher ein Poet. Der Maler kommt über die reine Darstellungskraft des Abgebildeten hinweg und ermöglicht dem Betrachter, in bestimmten Teilaspekten das Ganze zu denken. Und die Menschen in Bruegels Bildern scheinen mit der Natur eine Gemeinschaft zu bilden und nicht durch göttliche Bestimmung über ihr zu stehen. Das ist beachtlich für das 16. Jahrhundert.“ 

Gesellschaftliches Statement

Mit seiner Kunst überliefert Bruegel uns auch seinen Blick auf die Gesellschaft, in der er lebte. Mutig visualisiert er alle Facetten seiner ZeitgenossInnen und auch unserer heutigen Gesellschaft. Denn die zentralen Themen, die er anspricht, sind zu einem großen Teil noch immer aktuell.

Bruegel wurde oft „Bauern-Bruegel“ genannt, da die Bauern eine bedeutende Rolle in seinen Werken spielen.

Im „Jahreszeiten“-Zyklus bemerkenswert ist die inszenierte Verschmelzung von Bauern mit ihrer Tätigkeit, vor allem in der „Heu-“ und der „Kornernte“.

Die ursprüngliche Zielgruppe der Serie waren Personen aus dem Umfeld Jongelincks. Sie waren höhergestellte, betuchte und gebildete Menschen. Durch Bruegels Bilder blickten sie aus dem noblem Interieur auf den Alltag von Bauern.

Manche der Figuren in Bruegels Gemälden schauen wiederum aus den Bildern heraus auf die gehobene Gesellschaft. Bruegel schuf sozusagen ein Fenster in eine andere Welt.

Die Sicht auf das Bauerntum war im 16. Jahrhundert von Satire geprägt. Es war ein derber Ansatz, den Bruegel nicht zu teilen schien. Er fügte eine humoristische Note hinzu und bezog auch Tiere in die subtilen Blickkontakte zwischen den Welten mit ein. So zum Beispiel die weiße Kuh im Vordergrund der „Heimkehr der Herde“ oder einer der Jagdhunde der „Jäger im Schnee“.

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