Bruegel erforschen

Das Interesse an Pieter Bruegel d. Ä. war auch bisher groß und es wurde viel geforscht. Dennoch war immer noch wenig über die Technik des Künstlers und seine innovative Malweise bekannt. Im Kunsthistorischen Museum wurde dem nun nachgegangen, und zwar durch spezielle Untersuchungen an den zwölf Tafelbildern, die Teil der Sammlung in Wien sind.

Der Kurator Manfred Sellink über die Ausstellung

Eine langjährige Forschungsinitiative

Alles begann im Jahr 2012 mit großzügiger finanzieller Unterstützung der Getty Foundation im Rahmen der Panel Paintings Initiative. Die langfristige Forschungsinitiative über das Kunstschaffen Pieter Bruegels d. Ä. legt das Hauptaugenmerk auf Tafelkonstruktion, Maltechnik, Materialgeschichte, die kunsthistorische Aufarbeitung und Provenienz der Werke.

In den Untersuchungen waren angehende RestauratorInnen beteiligt. Dadurch wurde das Forschungsprojekt auch zu einem wichtigen Ausbildungsprojekt.

Verschiedene modernste Technologien kamen zum Einsatz. Es handelt sich hierbei natürlich nur um zerstörungsfreie Methoden:

Infrarotfotografie und Infrarotreflektografie, um Unterzeichnungen unter den Malschichten sichtbar zu machen.

Röntgenaufnahmen, um den Bildträger, also beispielsweise das bemalte Holz, die Grundierung und die verwendeten Farbpigmente zu untersuchen.

Röntgenfluoreszenzanalyse, um die qualitative und quantitative Bestimmung der elementaren Zusammensetzung zu ermöglichen. Dies trägt auch zur Bestimmung der verwendeten Farbpigmente bei.

3D-Kartierung, um die Gemälde genauestens zu vermessen und räumlich darzustellen.

Die Kombination der Ergebnisse aus all diesen Untersuchungen machen Bruegels Arbeitsweise nun viel besser nachvollziehbar. So wurden zum Beispiel Veränderungen an Bruegels Bildkompositionen erkannt, die der Künstler auch noch im weit fortgeschrittenen Malprozess gemacht hat.

Viele spannende und aufschlussreiche Blicke ins Innere der Tafelbilder wurden gewonnen.

Infrarotreflektografie

Auf der Webseite insidebruegel.net können Laien und ExpertInnen selbst die Arbeitsweise Bruegels erforschen.

Mit Beginn der Ausstellung am 2. Oktober 2018 ging auch die interaktive Bruegel-Website insidebruegel.net online. Sie steht Interessierten aus aller Welt kostenlos zu Verfügung.

Damit kommen wir dem Wunsch Bruegels nach, genau hinzusehen. Denn dank hochauflösender Aufnahmen, die im Rahmen des Forschungsprojektes entstanden, werden kleinste Details in den Gemälden sichtbar.

Die Website insidebruegel.net bietet zudem die Möglichkeit, selbst zu forschen. Denn sie beinhaltet spezielle Aufnahmen, die im Zuge der Forschung erstellt wurden.

Wie Sie auf insidebruegel.net durch navigieren können, zeigt dieses Anwendungsbeispiel:

Durch den Zugriff auf die technologischen Untersuchungen wird damit allen Interessierten – Laien und ExpertInnen gleichermaßen – die Möglichkeit geboten, ihre eigenen Forschungen anzustellen. MuseumsbesucherInnen haben direkt in der Ausstellung mittels Touch-Screen die Möglichkeit, durch die Website insidebruegel.net einen individuelleren Bezug zu Bruegels Werken zu bekommen. Und mitunter werden auch nach dem Besuch der Ausstellung noch spannende Details entdeckt und Beobachtungen angestellt.

Wissenschaftlicher Austausch

Im Dezember 2018 wird ein Symposium unter Teilnahme bedeutender SpezialistInnen auf dem Forschungsgebiet Pieter Bruegels d. Ä. und seiner (Mal-)Technik stattfinden. Forschungsergebnisse und Beobachtungen werden diskutiert und ausgetauscht und im Anschluss an die Ausstellung in einem wissenschaftlichen Aufsatzband 2019 publiziert.

Nach der Ausstellung haben wir ein weiteres Ziel ins Auge gefasst: Die Erstellung eines zeitgemäßen Catalogue raisonné als Gemeinschaftsprojekt der Bruegel-ForscherInnen.

Alle diese Arbeiten haben zum Ziel, das Verständnis von Bruegels Gesamtwerk zu fördern und 450 Jahre nach seinem Tod neue Impulse für die Wertschätzung des Künstlers zu geben.

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